Ein Gemüsegarten mitten in der Stadt: im Prinzessinnengarten in Berlin Kreuzberg wird „urbane Landwirtschaft“ betrieben. Der Garten dient nicht nur der Erholung. Stadtmenschen aus der Nachbarschaft und ganze Schulklassen kommen dort dem Gemüseanbau näher und lernen etwas über ihr Essen, das in den Kühlregalen im Supermarkt nicht mehr sichtbar ist. Am 9. April wurde das dritte Gartenjahr begonnen.
Die 6000 Quadratmeter große Fläche am Moritzplatz wurde seit Jahrzehnten kaum genutzt. Schutt und Müll hatten sich angesammelt, bis zwei Berliner auf die Idee kamen einen Gemüsegarten zu errichten. Der Prinzessinnengarten ist seit 2009 ein neuer Lebensort in Berlin Kreuzberg. Auf der Brachfläche haben die Gärtner aus großen Transportkisten mobile Hochbeete errichtet und Gemüse angepflanzt. Denn der Garten soll mobil bleiben. Im Winter überdauert das mehrjährige Gemüse in einer Markthalle. Dabei geht es nicht um die höchsten Erträge, sondern die Beete werden ökologisch bewirtschaftet und viele alte und seltene Gemüsesorten angepflanzt. Bei der Arbeit helfen Interessierte und Freunde aus der Nachbarschaft oder von weiter her, und lernen dabei etwas über Gemüseanbau – für Stadtmenschen eine seltene und wertvolle Erfahrung. Wer Ideen für die Gartengestaltung hat, kann sich hier einbringen. Eine Künstlerin hat zum Beispiel 20 verschiedene Kartoffelsorten angepflanzt, die keine kommerzielle Zulassung in der EU haben. Und ein Imker hat seine Bienenstöcke aufgestellt. Durch das Miteinander hat der Garten auch viele soziale Vorteile:
"Für ein Gärtnern in der Stadt gibt es viele gute Gründe: Aktivierung sozial schwacher Quartiere, Sicherung der Lebensmittelversorgung, Förderung der Biodiversität, Reduktion der CO2-Bilanz, Verbesserung des Mikroklimas, Verschönerung der Stadt. [...] Unser alternatives städtisches Grün [verstehen wir] als einen Bildungsgarten und als Instrument, um die Nachbarschaft in dem sozial schwachen Quartier zu stärken und zu aktivieren."
Fotos: Copyright Marco Clausen, Nomadisch Grün
Der Prinzessinnengarten ist offen für alle. Das Gelände am Moritzplatz ist zwar von einem Zaun umgeben, aber das Tor steht mindestens von Mittwoch bis Sonntag ab 13 Uhr offen. Erste Berührungsängste werden in dem kleinen Gartencafé abgebaut. Dort wird teilweise die eigene Ernte zu Säften oder Essen verarbeitet und verkauft. Wer mitgärtnern will, kann sich zum Beispiel Donnerstags und Samstags an den offenen Gartenarbeitsstunden beteiligen, oder an einem Workshop teilnehmen. Die Idee eines urbanen, mobilen Gartens lässt sich natürlich auch an anderen Orten umsetzen. Vorbilder für den Prinzessinnengarten stehen in Cuba und in New York.
Offene Gartenarbeitsstunden sind: Donnerstags 15-18 Uhr und Samstags 11-14 Uhr.
Rund um den Prinzessinnengarten gibt es verschiedene Begleitprojekte der Trägergesellschaft Nomadisch Grün gGmbH. Das gemeinnützige Unternehmen hat neben dem mobilen Garten gemeinsam mit Kindern und Jugendlichen auch einen mobilen Jugendraum für eine "stadtsafari2.0" gebaut. Im Sommer gibt es im Garten Workshops und Konzerte.
Schreibe einen Kommentar (wird vom Administrator freigeschaltet)